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Flieg - du bist schon frei

Flieg – du bist schon frei

Nisarga – Das Erkennen deines natürlichen, spontanen Zustands

 

Eine Beschreibung dessen, was wir wirklich sind und wie wir uns selbst erkennen.

Wo ist das Ich hin, wenn du eingeschlafen bist? Beim Einschlafen verschwinden alle Gedanken, und damit die Welt, ebenso dein Ich und alle Sorgen und Ideen über die Welt.

Und dennoch wirst du mir zustimmen, dass du auch nachts existiert haben musst. Aber wer hat da nachts eigentlich existiert, wenn du doch gar nicht da warst?

Es ist das, was man als dein wahres Selbst bezeichnen kann. Aber was ist das Selbst? Wie erkennt man es?

Dieses Buch versucht, den "Weg" zum Selbst anschaulich und einfach zu beschreiben – durch Verweilen im Selbst-Gewahrsein und durch das Wiederentdecken der Intuition, die in der Stille des Denkens immer zu dir spricht.

 

Daten zum Buch

Inhalt:

 

EINLEITUNG
Seine Majestät

 

BUCH EINS – DIE WELT, WIE SIE DIR ERSCHEINT

TEIL EINS – DER TRAUM
1 Die Welt als Traum • 2 Wachzustand – Traum – Tiefschlaf • 3 Der Pirat • 4 Ich bin keine Person • 5 Das Traumthema • 6 Warum lebst du überhaupt?

TEIL ZWEI – DIE WELT DER VORSTELLUNGEN
7 Vorstellungen und Konzepte • 8 Die Vorstellung von Raum und Zeit • 9 Die wahre Größe der Welt • 10 Erfahrungen • 11 Wissen • 12 Ursache und Wirkung • 13 Erinnerungen • 14 Zukunft • 15 Einstellungen • 16 Jetzt • 17 Alles reagiert nur

TEIL DREI – DIE PERSON
18 Die Geburt der Person • 19 Die Person – eine falsche Vorstellung • 20 Die Person und die Welt

 

BUCH ZWEI – DIE WELT, DIE DU BIST

TEIL VIER – DIE SUCHE NACH DEM SELBST
21 Die Suche • 22 Die Bedeutung des Gurus • 23 Vertrauen • 24 Die vermeintlichen Wege • 25 Spirituelle Praktiken • 26 Der scheinbare Heimweg • 27 Was erwartest du denn? • 28 Das Selbst

TEIL FÜNF – DIE WELT DES JNANI (WEISEN)
29 Der Jnani über sich • 30 Die Sicht des Jnani auf das Leben • 31 Das Universum des Jnani • 32 Über die Selbst-Verwirklichung

TEIL SECHS – DIE ENTDECKUNGSREISE ZU DIR SELBST
33 Ich existiere • 34 Strebendes Denken • 35 Freier Wille und Entscheidungsfähigkeit • 36 Ego und Ich-Gefühl • 37 Wahrnehmungen • 38 Denken • 39 Wünsche • 40 Frei vom Streben • 41 ZEN – Bogenschießen • 42 Nisarga • 43 Das grundlegende Motiv: Liebe

TEIL SIEBEN – SADHANA – DIE SPIRITUELLE PRAXIS
44 Anfängliches Sadhana • 45 "Tun" – Aufgabe aller Vorstellungen • 46 Die falsche Vorstellung –"Ich wäre so und so" • 47 Bewusst-Sein • 48 Distanzierung vom Verstand • 49 Der Spiegel des Selbst • 50 Geheimnisse und Allwissenheit • 51 Die Leere des Verstandes

TEIL ACHT – BEWUSST-SEIN
52 Die Sprache des Selbst • 53 Sein • 54 Am Anfang … Bewusst-Sein • 55 Ich bin • 56 Distanzierte Beobachtung • 57 Axiome des Lebens • 58 Der Beobachter • 59 Die Königsloge • 60 Gewahrsein • 61 Ich bin schon tot

TEIL NEUN – SELBST-VERWIRKLICHUNG
62 Das Selbst und das Höchste • 63 Was ich nicht bin • 64 Was ich bin • 65 Ich bin weder Sein noch Nicht-Sein • 66 Die Entdeckungsreise ins unendliche Sein

 

NACHSATZ
Das Selbst und die Welten

 

 

Hardcover gebunden
320 Seiten
ISBN-10: 3930243393
ISBN-13: 978-3930243396
Omega Verlag, Aachen
€ 15,80

Im Handel weiterhin erhältlich


Leseprobe
Flieg - du bist schon frei

Kapitel achtunddreißig
Denken

Wahrnehmung ist nicht eine Folge des Denkens. Denken ist bereits Wahrnehmung.

Was ist Denken? Du bist das Denken so gewöhnt, dass du für gewöhnlich noch nicht einmal auf die Idee kommen würdest, die Hintergründe dieser dir so natürlich vorkommenden "Tätigkeit" zu untersuchen. Aber selbst beim tiefen Blick in philosophische Abhandlungen darüber, wirst du keine eindeutige oder einfache Antwort erhalten können. Während die einen es – dem Anschein nach – schlussendlich aufgegeben haben, Denken definieren zu wollen, kamen andere zum Schluss, dass Denken Sein bedeuten würde. Und wiederum andere erreichten genau das Gegenteil: Denken wäre Nicht-Sein. Auch unsere Psychologen, die unterschiedliche Formen des Denkens definieren, scheinen dies immer aus der Annahme heraus zu tun, dass eine eigenständige Person denken würde.

Und auch hier finden wir – wieder einmal – mehr in den alten Sprachen die "erleuchtende" Antwort. Die altnordische Wurzel des Wortes Denken – pekkja – bedeutet nämlich: wahrnehmen, erkennen. Und genau das ist Denken. Wenn wir uns das nun näher aus der Sicht des Selbst anschauen und es untersuchen, kommt Erstaunliches zutage. Genau das möchte ich dir anhand weiterer Demonstrationen nahe bringen.

Entspanne dich ein wenig und erschaffe eine kleine Phantasiewelt, für die du nur eine Phantasiefigur – meinetwegen wieder einmal den Piratenkapitän – brauchst.

Nun denke einfach mal, dass sich diese Figur mit dem Finger andauernd auf ihr Knie klopft. Beobachte genau und du wirst feststellen, dass da keine weiteren Gedanken sind, die dieses Klopfen auslösen. Ich sagte, bzw. schrieb eben nur den auslösenden Impuls: "Denke einfach mal, dass …", und alles, was danach passierte, ist die unmittelbare Beobachtung des Klopfens der vorgestellten Figur.

Denn: Was immer du denkst, dass diese Figur machen soll, ist das, was du bereits von der Figur wahrnimmst! Da ist nicht erst ein Gedanke an die Handlung und anschließend die Wahrnehmung. Da ist nur die Wahrnehmung an sich!

Hast du das schon einmal bewusst beobachtet? Möglicherweise noch nie. Aber ist das nicht erstaunlich? Du denkst, aber alles, was du finden kannst, ist Wahrnehmung. Denn: Du denkst nur in Form von Wahrnehmung!

Noch genauer: Denken ist bereits Wahrnehmung.

Nehmen wir nun unser bekanntes Beispiel des Piratenkapitäns und seiner Welt. Phantasiere noch einmal in deiner Phantasiewelt und du wirst feststellen können, dass – was immer du in dieser Welt "denkst" – nichts anderes ist, als das, was du wahrnimmst. Wenn du beispielsweise jetzt denkst, dass alle Eingeborenen auf der Insel einmal in die Luft hüpfen sollen, so tun sie das einfach in dem Moment, in dem du das "denkst"! Du kannst noch nicht einmal sagen, dass sie synchron zu deinem Gedanken hüpfen würden. Sie hüpfen, weil dieses Bild bereits der Gedanke ist!

Diese Beobachtung ist ein Schlüssel zum Verständnis der Welt und deiner Wahrnehmungen. Denn sowohl das, was du in dieser Welt wahrnimmst, als auch das, was du in deinen Vorstellungswelten "denkst", ist im Grunde genommen gleichwertig und nichts anderes als: Wahrnehmung.

Damit wird klar, dass diese Welt nichts anderes sein kann, als: Gedanken. Die Gedanken des Selbst in Bezug auf diese Welt hier. Nichts weiter – ein kleiner Traum, ein lustiger Spuk, die Illusion schlechthin.

Auch das Wort Gedanke wird in der altnordischen Sprache direkt vom Denken abgeleitet und ist als das "Ergebnis des Denkens" beschrieben. Wenn du denkst, tust du also nichts anderes als wahrnehmen. Und mit den Gedanken nimmst du wiederum das Ergebnis des Wahrnehmens wahr. Wahrnehmung nimmt also Wahrnehmung wahr. Nichts weiter! Und so ist es nicht verwunderlich, wenn zum Beispiel Sri Nisargadatta Maharaj sagt:

In Wirklichkeit gibt es nur Wahrnehmung.
Der Wahrnehmende und das Wahrgenommene
sind nur ein Konzept, die Tatsache der
Wahrnehmung ist wirklich.
[Sri Nisargadatta Maharaj]

Die Wahrnehmung dieser Welt nennst du aber üblicherweise nicht Gedanken, und die wahrgenommenen Bewegungen und Veränderungen innerhalb dieser Welt nennst du auch nicht Denken. Du unterscheidest zwischen Wahrnehmen und Denken – wie wir gleich sehen werden, vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Aber der Irrtum, der dahinter verborgen liegt, ist der, dass du diese Welt hier für wirklicher hältst, als deine Traum- und Phantasiewelten. Weil du eben noch nicht erkannt hast, dass du sie auch nur wahrnimmst.

Überprüfe diese Behauptung einfach dadurch, indem du dir selbst aufs Knie klopfst. Immer wieder. Wo, bitte schön, sind dabei Gedanken? Alles, was ist, ist die Wahrnehmung des Klopfens. Was immer du in dieser Welt machst, da ist immer nur die Beobachtung oder Wahrnehmung dessen, was vor sich geht. Es gibt in Bezug auf diese Welt einfach kein "Denken", das sich von Wahrnehmung unterscheiden würde.

Auch Ramana Maharshi hat dies in einem seiner Gespräche deutlich gemacht:

Maharshi: "Der Körper selbst ist ein Gedanke."
"… dass das ganze Universum nur ein Gedanke oder eine Abfolge von Gedanken ist!"

Frage: "Ich habe Zahnschmerzen.
Ist das nur ein Gedanke?"

Maharshi: "Ja."

Frage: "Warum kann ich nicht denken, ich hätte
keine Zahnschmerzen und mich so selbst heilen?"

Maharshi: "Wenn man in andere Gedanken vertieft ist, spürt man das Zahnweh nicht. Auch nicht,
wenn man schläft."

Frage: "Es ist trotzdem da."

Maharshi: "Das ist die feste Überzeugung von der Wirklichkeit der Welt, die nicht so leicht zu erschüttern ist. Aber darum wird sie auch nicht wirklicher
als das Individuum selbst."
[Ramana Maharshi]

Du erschaffst mit deinem Denken immer nur Phantasie- oder Parallelwelten und zerstörst sie sofort wieder, genau wie die Phantasiewelt des Piratenkapitäns. Und das machst du wohl mehrere hundert Male am Tag. Man könnte glatt meinen, dass du dich in deinen Gedankenwelten einfach nur "übst", wie du diese Welt hier beherrschen könntest!

Ein anderer Aspekt des Denkens entpuppt sich als durchaus rätselhaft, sobald man daran geht, ihn zu untersuchen: Wie entsteht Denken, wodurch wird es ausgelöst? Und was passiert dann?

Lass uns hierzu erneut zwei kleine Experimente machen. Was passiert, wenn ich dich jetzt etwas Einfaches frage – etwas, das du garantiert weißt? Zum Beispiel: "Wie heißt du?" Es wird dir sicherlich aufgefallen sein, dass du hierfür nicht denken musstest. Die Antwort kam einfach aus dir heraus und du konntest es beobachten. Frage – Antwort – erledigt. Wenn ich allerdings jetzt eine Frage stelle, deren Antwort du vielleicht einmal wusstest, oder auch noch nie gewusst hast, wie etwa: "Wie heißt der vierthöchste Berg der Welt?", was passiert jetzt mit dir? Was ist geschehen, dass du jetzt zu "denken" beginnst?

Ich sage es dir: Ein Impuls in deiner Wahrnehmung – in diesem Fall meine Frage – und die Unmöglichkeit, dass dieser Impuls im Universum sofort umgesetzt hätte werden können – die sofortige Beantwortung der Frage also, hat einen Prozess ausgelöst, der das Denken – das Wahrnehmen-wollen, denn mehr ist das ja gar nicht – angestoßen hat. Augenblicklich erschaffst du "Parallelwelten" – mögen sie auch noch so flau und unscheinbar wirken, Welten, die deine Erinnerungen an das Thema in Bildern entstehen lassen, lässt Bilder von Bergen, Atlanten und Worten durch sie laufen, bis du das richtige "Bild" – zum Beispiel eine Tafel des damaligen Erdkundeunterrichts, auf dem die Antwort in Kreide geschrieben stand – entdeckst. Oder die gedankliche Leinwand wieder schwarz wird, weil du keine Antwort finden kannst.

Und so ist es wohl immer. Ein Impuls in der Wahrnehmung – durch Sehen, Fühlen, Hören usw. oder auch durch eine Erinnerung (die allerdings selbst durch eine Wahrnehmung ausgelöst wird) – löst eine Reaktion aus. Wenn nun diese Reaktion nicht einfach und direkt erfüllt werden kann, wie in unserem Beispiel eine nicht sofort beantwortbare Frage, wird statt der einfachen Ausführung des Impulses ein Denkprozess gestartet, durch den versucht wird, in einer "Parallelwelt" die Lösung zu finden oder zu kreieren.

Beobachte das doch einmal weiter, indem du dir neue Fragen stellst.

Das Denken wird durch Sinnesreize ausgelöst. Was du allerdings denkst und wie du daraufhin handelst, wird von der Gesamtheit deiner Erinnerungen bestimmt, und nicht von einer sogenannten "freien Entscheidung". Der "freie Wille" ist eine Illusion.